Sturmvogel

An der Ecke Strandstraße und Ulmenstraße erinnert heute nur noch wenig an eines der bedeutenden Mahnmale Kühlungsborns. Doch die Geschichte des „Sturmvogels“ erzählt von Krieg, Erinnerung, Hoffnung und dem Wandel der Erinnerungskultur über ein ganzes Jahr

Über uns

Ein Denkmal zwischen Mahnung, Geschichte, Demontage und Erinnerung.

Wer heute an der Ecke Strandstraße und Ulmenstraße vorbeikommt, sieht eine efeubewachsene Mauer und einen Gedenkstein. Auf den ersten Blick wirkt der Ort unscheinbar. Tatsächlich befindet sich hier jedoch einer der geschichtsträchtigsten Erinnerungsorte Kühlungsborns.

1971 wurde an dieser Stelle das Denkmal „Sturmvogel“ für die Opfer von Faschismus und Militarismus errichtet. Mittelpunkt der Anlage war ein großes kupfernes Relief der Künstlerin Renata Ahrens, das einen aufsteigenden Sturmvogel zeigte. Die Gestaltung orientierte sich an Maxim Gorkis berühmtem Text „Das Lied vom Sturmvogel“, in dem der Vogel als Symbol für Mut, Widerstandskraft und die Hoffnung auf Veränderung steht.

Das Relief war geprägt von klaren Linien, markanten Kanten und dynamischen Schwüngen. Der Vogel schien sich kraftvoll gegen Wind und Sturm zu erheben. Gerade diese Bewegung verlieh dem Kunstwerk eine starke Ausdruckskraft. Der Sturmvogel wurde zu einem Sinnbild für Menschen, die sich gegen Unterdrückung, Krieg und Gewalt gestellt hatten.

Im Jahr 2001 wurde das Relief jedoch demontiert (Hintergründe sich nicht bekannt). Damit verschwand das eigentliche Kunstwerk aus dem Stadtbild. Der Erinnerungsort blieb jedoch erhalten. Seit 2009 erinnert ein gravierter Gedenkstein an die Opfer von Krieg, Gewalt und Vertreibung. Die überwachsene Mauer verweist bis heute auf die ursprüngliche Gestaltung des Mahnmals.

Die Geschichte dieses Ortes reicht sogar noch weiter zurück. Bereits 1924 wurde hier ein Erinnerungshain für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs aus Brunshaupten eingeweiht. Namenstafeln und eine gestaltete Anlage hielten das Andenken an die Verstorbenen wach. Die historischen Tafeln sind erhalten geblieben und befinden sich heute vor der Kapelle des Neuen Friedhofs.

So vereint dieser Ort verschiedene Generationen des Erinnerns. Das Denkmal „Sturmvogel“ war nicht nur ein Kunstwerk, sondern Ausdruck des gesellschaftlichen Umgangs mit Krieg, Verlust und Verantwortung. Auch wenn das Relief heute nicht mehr vorhanden ist, bleibt seine Botschaft aktuell: Frieden und Menschlichkeit sind niemals selbstverständlich.

Zusatzinformationen

  • Das Denkmal wurde 1971 als Mahnmal für die Opfer von Faschismus und Militarismus errichtet.
  • Das kupferne Relief „Sturmvogel“ wurde 2001 demontiert.
  • Seit 2009 erinnert ein gravierter Gedenkstein an die Opfer von Krieg, Gewalt und Vertreibung.
  • Der Standort war bereits seit 1924 ein Erinnerungsort für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs.
  • Die ursprünglichen Namenstafeln des Erinnerungshains befinden sich heute auf dem Neuen Friedhof in Kühlungsborn.
  • Die Gestaltung bezog sich auf Maxim Gorkis Werk „Das Lied vom Sturmvogel“.

Künstler:

Renata Ahrens (*1929, † 2023)

Die in Elbing (heute Polen) geborene Künstlerin absolvierte eine Goldschmiedelehre und studierte anschließend an der Fachschule für angewandte Kunst in Wismar. Sie war als Dozentin tätig und arbeitete ab 1971 freischaffend. Bekannt wurde sie insbesondere durch großformatige Metallarbeiten im öffentlichen Raum Mecklenburg-Vorpommerns.

Zu ihren bekannten Werken zählen unter anderem:

  • Schriftwand in der Feierhalle des Westfriedhofs Rostock
  • „Darwin-Memorials“ im Rostocker Zoo (1976)

Entstehungsjahr:

1971

Material:

Kupferrelief, Mauerwerk

Kunstform:

Relief, Mahnmal, Denkmal, Kunst im öffentlichen Raum

Quellenhinweis

  • Informationen des Kunst- und Kulturlehrpfades Kühlungsborn
  • Biografische Angaben zur Künstlerin Renata Ahrens

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