Am westlichen Ende des Baltic-Platzes sitzt ein Mann auf einer Bank und blickt gelassen auf das Treiben um sich herum. Er spricht nicht, bewegt sich nicht und doch scheint er irgendwie dazuzugehören. Der „Mann auf der Bank“ ist eines der beliebtesten Kunstwerke Kühlungsborns und für viele Gäste ein fester Bestandteil ihres Urlaubs.
Die Figur entstand ursprünglich 1988 während des 2. Ostseepleinairs unter dem Motto „Leben am Meer“. Geschaffen wurde sie vom Bildhauer Heinrich Zenichowski, der zugleich die künstlerische Leitung des deutsch-polnischen Bildhauersymposiums innehatte. Damals arbeiteten elf Künstlerinnen und Künstler aus der DDR und Polen mehrere Monate in Kühlungsborn und schufen Kunstwerke für den öffentlichen Raum.
Der „Mann auf der Bank“ ist bewusst schlicht gehalten. Er stellt keinen berühmten Seefahrer, Politiker oder historischen Bürger dar. Vielmehr wirkt er wie ein ganz gewöhnlicher Mensch. Vielleicht ein Fischer nach Feierabend. Vielleicht ein Urlauber. Vielleicht jemand, der einfach den Blick aufs Meer genießt. Gerade diese Offenheit macht die Figur sympathisch. Jeder Betrachter kann in ihr etwas Eigenes erkennen.
Die ursprüngliche Holzfigur war über viele Jahre Wind, Wetter und salziger Seeluft ausgesetzt. Als sie schließlich nicht mehr restauriert werden konnte, schuf der Bildhauer Bruno Blank 1999 eine neue Figur nach dem Vorbild des Originals. So blieb das vertraute Erscheinungsbild erhalten.
Besonders bemerkenswert ist die Beziehung zwischen Kunstwerk und Bevölkerung. Der Holzmann wird regelmäßig eingekleidet. Im Winter trägt er Mütze und Schal, bei stürmischem Wetter manchmal sogar eine Windjacke. Diese kleinen Gesten zeigen, dass die Figur längst mehr ist als eine Skulptur. Sie ist zu einer Art Maskottchen geworden, das von Einheimischen und Gästen gleichermaßen ins Herz geschlossen wurde.
Wer neben ihm Platz nimmt, wird schnell verstehen, warum der „Mann auf der Bank“ zu den meistfotografierten Motiven der Stadt gehört. Er lädt dazu ein, für einen Moment innezuhalten, das Meer zu betrachten und einfach nur da zu sein.
Der Bildhauer wurde 1941 im heutigen Łódź (Polen) geboren. Nach einer Ausbildung zum Holzbildhauer und weiteren Studien an der Hochschule für Bildende Künste Dresden arbeitete er als freischaffender Künstler in Greifswald. Er initiierte und leitete zahlreiche Bildhauersymposien und Pleinairs und prägte die Kunst im öffentlichen Raum Mecklenburg-Vorpommerns über Jahrzehnte hinweg.
*Bruno Blank (1959)
Schuf 1999 die heute sichtbare Nachbildung der ursprünglichen Holzfigur nach dem Vorbild des Originals.
1988
(heutige Figur: 1999)
Holz
Sitzskulptur, Holzplastik, Kunst im öffentlichen Raum